Neue Wege - Hüfte und Knie in Hildesheim
Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Burkhard Wippermann ging es im November in Hildesheim unter anderem um endoprothetische Versorgungs- optionen für die immer zahlreicheren jungen Patienten. Für diese Gruppe, so der allgemeine Konsens, reichte die konventionelle Endoprothetik nicht aus.

- Prof. Werner Hein

- Prof. Burkhard Wippermann

- Prof. Wolfgang Rüther

- Prof. Rainer Neugebauer

- Prof. Peter Schandelmaier

- Dr. Ingo Schumacher

- Prof. Joachim Löhr

- Dr. Siegfried Hofmann
Man sollte „nur ersetzen, was krank ist“, postulierte Prof. Wolfgang Rüther, Hamburg, zu Beginn seines Vortrags über den Oberflächenersatz. Das „Resurfacing“ an der Hüfte sei sehr abhängig von der Erfahrung des Operateurs. Als wichtigste Probleme nannte er die Entstehung von Abriebgranulomen, die durch die Verwendung von Pressfit-Pfannen mit Metall/Metall-Gleitpaarung vermindert werden können, sowie Knochenatrophie durch ossären Umbau unter der Kappe und Ermüdungsfrakturen, die durch Zementierung der Femurkomponente zu umgehen sind. Um keine Knochennekrose im femoralen Stumpf zu erleben, komme es auf restriktive Indikationsstellung an.
Mehr Stabilität und ein größerer Bewegungsumfang lassen sich durch die Verwendung eines größeren Prothesenkopfs erreichen. Prof. Rainer Neugebauer, Regensburg, hat gute Erfahrungen mit der Kombination des CLS-Schaftes mit dem Großkopf gemacht. „Das CLS-Konzept mit sphärischer Pfanne, Durasul-Inlay und großem Kopf erfüllt die Anforderungen, die junge, dynamische Patienten an eine Hüftendoprothese stellen“, resümierte er.
Prof. Joachim Löhr, Hamburg, berichtete von Kurzschaftprothesen, die die Endoklinik bei jungen Patienten einsetzt. 108 von 220 damit versorgten Patienten konnten nachuntersucht werden. Außer zwei Frakturen traten keine wesentlichen Komplikationen auf. Als gute Indikationen für den Kurzschaft nannte er die primäre Arthrose bei Patienten unter 65 Jahren mit hoher körperlicher Aktivität, sekundäre Arthrosen, Femurkopfnekrose sowie rheumatoide Arthritis, sofern keine Osteoporose vorliegt.
Prof. Werner Hein, Halle, benutzt einen modifizierten, minimal invasiven Watson-Jones-Zugang, wobei in Halle der Patient in Rückenlage gelagert wird – möglich wird dies durch eine komplette Resektion der Hüftkapsel. „Wir halten die Benutzung eines einzigen Prothesenmodells für alle Patienten heute nicht mehr für akzeptabel“, sagte er. Vor allem jüngere Patienten müssen individuell und so gewebesparend wie möglich versorgt werden, um Reserven für Wechseloperationen zu erhalten. Prof. Hein selbst bevorzugt für 40- bis 70-jährige beim Ersteingriff die Mayo-Hüfte.
Prof. Peter Schandelmaier, Deggendorf, stellte einen minimal invasiven, posterolateralen Zugang vor. Seine Vorteile: Es ist ein Standardzugang, die Schnittführung lässt sich – wichtig für die Lernkurve – schrittweise verkürzen und bei Bedarf auch problemlos intraoperativ verlängern, der M. gluteus medius bleibt erhalten, M. gluteus maximus muss ebenfalls nicht angegriffen werden, es treten keine Sensibilitätsstörungen auf, und nicht zuletzt reichen ein Operateur und ein Assistent für den Eingriff aus.
Der zweite Tag der Masterclass stand im Zeichen des Knies. Dozent Dr. Siegfried Hofmann, Stolzalpe, demonstrierte anhand eines ungeschnittenen Operationsvideos die minimal invasive Implantation einer Knietotalendoprothese über den Quad-Sparing-Zugang. Er betonte zum einen die lange Lernkurve,die dieser Eingriff erfordere und die verlängerte Operationszeit, da jeder konventionelle OP-Schritt hier in mehrere kleine Schritte zerlegt werden muss. Die Hauptvorteile sind ein besonders geringes Weichteiltrauma und die schnelle Rehabilitation.
Mit dem Aufkommen der minimal invasiven Verfahren hat die unikondyläre Schlittenprothese eine Renaissance erlebt, konstatierte Dr. Ingo Schumacher, Sommerfeld. Als Gründe für frühere schlechte Ergebnisse machte er eine fehlerhafte Ausweitung der Indikation aus sowie die Tatsache, dass die unikondyläre Prothese „OP-Fehler schlecht verzeiht und dann viel Abrieb produziert“. Als Vorteile sieht er den geringen Blutverlust, die Schonung von Weichteilen und Knochen, sowie den besseren Erhalt der Propriozeption. Bei erfahrenen Operateuren habe der unikondyläre Schlitten zudem die gleichen Standzeiten wie eine Totalendoprothese und die geringste Patellaproblematik. Das minimal invasive Vorgehen bei der unikondylären Prothese ermöglicht laut Schumacher eine „Schonung aller Strukturen, insbesondere des propriozeptiven Systems“.


